Der große Tag war gekommen. Vor lauter Vorfreude hatte ich natürlich nicht allzu gut geschlafen, aber wer braucht schon Schlaf, wenn er mit einem gelungenen Frühstück in den Tag startet? Heut hab ich mich nämlich mal wieder an heimischen Apfelküchle probiert, was gar nicht so einfach ist, wenn die Pfanne weder Teflonbeschichtung noch eine plane Oberfläche besitzt:
Tja, und nachdem wir gespeist und ich gepackt hatte, gings auch schon los. Lagen immerhin 160 Meilen vor uns, die auf der Hinfahrt ich und auf der Rückfahrt Viktor zu überbrücken hatte. Die Fahrt verlief verhältnismäßig ruhig. Viel Musik gehört und die Aussicht genossen.
In Austin angekommen, gings dann erst mal zu unserem Hotel. Für Donnerstag und Freitag Nacht hatten wir uns nämlich ein Zimmer mit Doppelbett angemietet, während wir uns dafür entschieden hatten, am Samstag im Auto zu nächtigen. Unser Zeug abgeladen und nichts wie ab in die Innenstadt...
Nach ermüdender Parkplatzsuche, an deren Ende wir aber doch noch einen Gratisplatz, fünf Blocks von der Sixth Street entfernt, ergattern konnten, ging es also ab auf selbige. Und wie wir dort ankamen, fiel ich doch fast aus allen Wolken. Hier waren tatsächlich Menschenmassen und überall Bars, die Live-Musik aufboten. Ein Teil der 6th Street war extra abgesperrt und dort tummelten sich die unterschiedlichsten Charaktere und hatten Spaß. Von Jung bis Alt, über Rocker, Punker, Snobs, Normalos, Viktors und Nicos - war alles vertreten. Es sollte also keine Kiddy-Party werden; verkündete sogar ein Schild nicht weit von der Partymeile, dass Minderjährige nach 7 Uhr abends keinen Zugang mehr hier hätten. Klasse Sache. Natürlich nicht für die Minderjährigen, aber zumindest für mich :D
Also erst mal die Straße hinauf- und wieder hinabgeschlendert und das Gesehene auf uns wirken lassen, bevor wir anfingen eine Bar nach der anderen aufzusuchen und die dargebotene Livemusik zu genießen und im Gegensatz zur us-amerikanischen Bevölkerung dazu zu tanzen und mitzugröhlen.




Die Livemusik in den Bars hat dann schon ziemlich früh um 1:30 Uhr aufgehört, weswegen wir uns, beeindruckt vom ersten Tag, auf dem Weg zum Auto machten. Unterwegs sind wir aber noch über einen Live Event gestolpert, wo wir bis zum Schluss blieben. Wenn ich von Schluss rede, meine ich natürlich die obligatorische USA-Sperrstunde um 2 Uhr.
Nachdem ich Viktor im Hotel abgesetzt hatte, hab ich mich nachts noch auf die Suche nach nem Walmart gemacht, um was zum Frühstück für den nächsten Morgen zu besorgen - leider hatte schon alles in der Umgebung geschlossen. Wenn man sich erst einmal an solche 24/7-Einkaufsläden gewöhnt hat, will man sie gar nimmer missen...
Ein erster genialer Tag ging also zu Ende, aber der nächste sollte ja nicht lange auf sich warten lassen.
Morgens erst mal aufgestanden und zum lokalen HEB gefahren, um Frühstück zu holen. Während ich die letzten Wochen eigentlich ziemlich gesund gelebt hatte, würde ich die nächsten zwei Tage so richtig über die Strenge schlagen. Ab heute lautete mein Motto: Party on, Wayne! Also neben Äpfeln und Bananen auch Donuts eingekauft und nen obligatorischen Billig-Six-Pack - ganz stylisch im Dosenbierlook.
Da ich heute nicht mehr fahren musste, zischte ich vor unserer Fahrt in die Stadt also sofort mein erstes Bier. Und dann gings wieder auf die Sixth Street, wo wir uns erst mal auf die Suche nach nem anständigen Lokal zum Mittagessen begeben haben. Da das Wetter einfach traumhaft war, mussten wir also ans Freie zum Essen und mexikanisch sollte es auch sein. Also entschieden wir uns für den Iron Cactus. Naja, eigentlich hab ich die Entscheidung übernommen, weil ich nicht wieder stundenlang nach nem Schuppen suchen wollte, bei dem das Essen nun 1$ billiger ist. Für einen Platz an der Sonne, geb ich gerne ein bisschen mehr aus.
Aber die Entscheidung war geradezu goldrichtig. Die Portionen waren riesig und der Preis kann mit 15$ pro Portion mitten auf der Partymeile geradezu als Spottpreis angesehen werden. Und nen annehmbaren Mojito hatte ich auch noch zum Essen.


Leider war das Essen aber auch ziemlich zwiebelhaltig, womit ich wohl reichlich Bier benötigen würde, um den Geschmack wieder wegzubekommen. Aber zum Glück hatte ich ja noch ein paar Airwaves in meiner Tasche gefunden, die mir heute den Atem retten würden. Im Land des Chewing Gums gibt es tatsächlich keine richtig guten Kaugummies...
Aber zurück zum Essen: Die Portionen waren derart riesig, dass ich mir, Schwabe wie ich bin, den Rest in ner ToGo-Box mitgenommen habe. Wußte doch, dass ich nachts sicher noch hunger bekommen würde. Aber da ich nicht mit dem Zeug auf der Sixth Street rumdackeln wollte, brachte ich es zurück zum Auto, woraufhin sich Viktors und meine Wege vorerst getrennt hatten. Später würden wir uns wieder vor dem Iron Cactus treffen, um auf ein Live Konzert zu tigern, das ganz in der Nähe sein sollte.
Wieder auf der Sixth Street angekommen, dachte ich so bei mir, dass es doch ne wahnsinnig intelligente Idee sein müsste, ne Schachtel Kippen zu kaufen. Als Raucher macht man ja bekanntlich besser Bekanntschaften. Was schon annodazumal im Kade geklappt hatte, würde doch auch sicher hier funktionieren. Und nachdem ich die letzten Wochen schon immer Gelüste nach ner Zigarette hatte und letzte Woche im Westend Pub schon beinahe der Versuchung erlegen wäre, ne Schachtel zu kaufen, wars nun endlich so weit.
Also ne Schachtel LM gekauft und ab ins "Blind Pig" gegenüber vom Iron Cactus, wo ich mir erstmal ein Kippchen angesteckt und ein Bierchen dazu getrunken habe. Oh Gott, hat mich die Kippe verspickt. Aber geil wars....
Zum verabredeten Zeitpunkt bin ich dann, nach einem weiteren Bierchen, runter zum Iron Cactus, wo ich doch tatsächlich Bekanntschaft mit dem Tod machte, während ich auf Viktor wartete:
Dann haben wir uns auf dem Weg gemacht zum Free SXSW Concert am See. Aber da wir außer einer traumhaften Aussicht nach einstündiger Rumsucherei nichts entdeckt hatten, bin ich entnervt zur 6th Street zurück. Wieso auch stundenlang nach etwas suchen, wenn man die Party direkt vor der Nase hat?

Auf der 6th bin ich dann von Bar zu Bar gezogen, hab den verschiedensten Musikstilen gelauscht und in jeder Bar mindestens ein Bierchen gezischt. Das Fiese in Austin ist nämlich, dass man kein Alkohol auf den Straßen trinken darf, weswegen man eben so lange in den Bars bleiben muss, bis der Alk leer ist. Wenn die Musik nicht mehr gefällt, wird man so ganz schnell zum Extrinker. Wieviel Bars es waren? Keine Ahnung, hab irgendwann aufgehört zu zählen. Könnt Ihr auf die Biere und den weiteren Alkohol übertragen ;-)
Gegen spätabends bin ich dann nochmal zum Auto, wo ich mein kurzhosiges Outfit gegen ein wetterfesteres tauschte, da es nachts schon ziemlich kalt werden kann. Ich hatte ja immerhin Klamotten für mindestens drei Festivals dabei, weswegen ich oben am Auto noch ne Modenschau veranstaltete, weil ich mich nicht entscheiden konnte, in welchem ich noch besser aussah.
Hatte wohl das richtige gewählt, lernte ich doch auf dem nächsten Freilichtspektakel ein Mädel kennen, das mich später noch in den Laden ums Eck einlud.
In dem Schuppen war es anfangs noch ziemlich leer, wofür sich das Mädel, dessen Namen ich natürlich auf Anhieb wieder vergessen hatte, vielmals entschuldigte. Gegen später wurde es aber richtig voll gute alte Dancemusik wurde auch gespielt, worauf ich so lange getanzt habe, bis der Laden dicht machte. Hatte vollkommen das Zeitgefühl verloren. Als ich das letzte Mal auf die Uhr schaute wars 23 Uhr - und plötzlich war es 2.30 Uhr nachts.
Als ich so abtanzte, kam ein Fotograf auf die Tanzfläche und machte ein paar Bilder von mir, fragte mich, wo ich her komme und meinte, dass ich "a really handsome guy" sei. Ziemlich gay, aber ich hatte wohl wirklich das richtige Outfit gewählt...
Nachdem ich kein Bier mehr bekam, machte ich mich also auf den Weg zum Auto, wo Viktor friedlich schlafend auf mich wartete. Musste ziemlich am Auto rütteln, bis ich ihn wach hatte. Ab nach Hause, wo ich den Hals natürlich nicht vollkriegen konnte und noch ein Bierchen aufmachte und...nach ein paar Schlücken stehen ließ...
"Boah Viktor, muss das sein?", waren meine ersten Worte, als dieser morgens den Vorhang aufzog. Was ich vergessen hatte: Wir mussten das Zimmer bis 11 Uhr räumen.
Während ich im Halbschlaf nochmal den gestrigen Tag Revue passieren hab lassen und zu mir selbst sagte: "Geil wars", war ich auch schon raus aus dem Bett und ab unter die Dusche, um mich zurecht zu machen für einen weiteren Tag voll wilder Party. War der vorherige Abend schon klasse, hoffte ich das Ganze heute noch toppen zu können. Meinen Muskelkater vom Tanzen ignorierte ich mal geflissentlich.
Schlüssel abgegeben, ab ins Auto und in die Innenstadt.

Nicht weit von unserem Parkplatz machten wir auch schon die erste coole Entdeckung des Tages: es sollte ein Live-Konzert mit unzähligen Bands und zwei Tribünen heute geben - 4free. Na, wenn das nichts ist.

Aber zuerst hieß es, was zum Kauen zu finden, damit der Alkohol auch ein anständiges Bettchen im Magen bekam. Also ab in die Stadt und erst mal wieder umhergeirrt, auf der Suche nach einem Lokal das Viktor am Vortag gesehen hatte und unbedingt ausprobieren wollte. Da ich langsam richtig Kohldampf bekam und Viktor später noch ins Kino wollte, trennten sich also unsere Wege heute schon vor dem Essen.
Während Viktor sich nun alleine auf die Suche nach seinem ominösen Lokal machte, betrat ich um etwa 13 Uhr das Fadó Irish Pub an der 4th Street, um erst mal anständig zu brunchen.
Das Fadó (ausgesprochen "f'doe") ist ein irisches Lokal, wie es im Buche steht: Drinnen lief zeitgleich ein Rugby- und ein Fussballspiel auf den Großbildfernsehern und die Stimmung war ausgelassen - außerdem war die Hütte rammelvoll. Traf sich gut, wollte eh an die Sonne, weswegen ich also auf den Patio raus bin, wo ich dann auch gleich noch zu meinem ersten Guiness rauchen konnte.
Außerdem bestellte ich mir ein anständig deftiges All-Day Irish Breakfast

Nachdem ich gespeist und ein bisschen der Livemusik, die im Innenhof gespielt wurde, gelauscht hatte, machte ich mich mit einem aufgewärmten Rausch auf den Weg Richtung Livekonzert. Grad wo ich mir denke, dass jetzt ne Soda nicht schlecht wäre, kommt ein Pickup-Truck mit zwei Mädels auf der Ladefläche ums Eck, um free Monster zu verteilen. Wollt ja eigentliich kein Antialk heute trinken. Aber he, wenns gratis ist!
Vor dem Livekonzert hatte sich mittlerweile eine Riesenschlange gebildet, in der auch Leute anstanden, die bereits ein Armband hatten. Wenn die Amis was von den Briten abgeschaut haben, dann das In-der-Schlang-Stehen. Ich bin natürlich außen vorbei und hab auch erstmal die fast noch längere Schlange vor den Toiletten ignoriert. Wenn keiner was sagt, is auch nix passiert.
Und da noch nicht allzu viel los war, hab ich mich erst mal in der Nähe der Haupttribüne in die Sonne gepackt und die Zeit genossen. Schön rumliegen und Bierchen trinken. Wieso auch immer rumstressen? So muss sein!


Gegen abends, nachdem Viktors Film fertig war, haben wir uns wieder zusammen gefunden und gemeinsam die Show genossen.

Zwischen zwei Live-Acts sind wir dann erst mal zum Capitol rüber und haben ein paar Touri-Bilder gemacht, solange die Sonne noch günstig stand:




Auf dem Rückweg nochmal kurz am Auto vorbei, um uns frisch zu machen und ein Bierchen zu trinken - nunja..ich hab zwei gezippt. Überhaupt kam das Trinken heute nicht zu kurz:



Aber neben der Tatsache, dass das Bier hier wie Wasser schmeckt, wirkt es auch in etwa so. Ich hab summasummarum ungelogen etwa gute 7-8l Bier an diesem Tag getrunken und war abends immer noch topfit. Auf dem Wasen macht sich spätestens nach der vierten Maß die Wolldecke im Mund bemerkbar. Und in Deutschland bin ich auch noch im Training, während ich hier seit 9 Wochen kaum Alkohohl getrunken hatte. Naja, bin ich halt irgendwann auf Jack on the rocks umgestiegen...
Das Konzert ging in etwas bis kurz nach 9, woraufhin wir wieder Richtung 6th Street zogen. Auf dem Weg sind wir aber noch auf ein Restaurant gestoßen, wo neben einem fantastischen Ambiente auch noch grandiose Livemusik geboten wurde.


Dort habe ich dann mein letztes Bargeld auf den Kopf geworfen, bevor es dann endgültig zur Endstation 6th Street gehen sollte. Aber vorher musste ich natürlich noch zu nem ATM, wie hier die Geldautomaten abgekürzt genannt werden, um Geld abzuheben…na spitze…wollen die tatsächlich 5,25 € fürs Abheben von mir! Schweine!!!
Aber ich hatte noch Hunger, ich hatte noch mehr Durst und noch viel mehr Bock auf Party, weswegen ich die Kohle brauchte und also weitere 60$ abhob.

Daraufhin gingen wir endlich ins Coyote, das wir am Donnerstag nur kurz von innen begutachtet hatten. War schon irgendwie cool..hab natürlich gleich wieder die Regeln missachtet und ein Filmchen aufgenommen, anstatt nur die erlaubten Fotos zu machen. Aber der Türsteher hat mich nett darauf aufmerksam gemacht.
An der Bar erst mal ein Coors und ein Jack on the rocks bestellt und beides so gut wie auf Ex runtergezogen, weil es kurz vor 2 war und ich nicht wieder wie gestern danach ohne Alk da stehen wollte. Also ab die Post und gleich noch mal an die Bar: Coors und Jack on the Rocks…

Danach gemütlich an die Bar gesetzt, um dem buchstäblich bunten Treiben zu folgen. Um Punkt 2 Uhr nachts kommt dann plötzlich die Bedienstete an und nimmt mir mein Bier weg, das noch vor mir stand, während ich meinen Jacky in der Hand hielt. "No Alcohol after 2am", meinte sie nur und mein Flehen und meine Beteuerungen, es auch schnell auszutrinken stießen auf Granit. Die Party war also gelaufen...
Schon irgendwie ein Spießerladen und ein Spießerland!
Die könnten dort das Megageschäft mit den trink- und feierwütigen Touristen machen - aber wer nicht will, der hat bekanntlich schon. Wie man auf folgendem Video noch sieht, waren nach 2 Uhr noch alle wild auf irgendeine Party und fanden immer wieder einen Grund, um eine Menge zu bilden und zu feiern. Bis schließlich die berittene Polizei kam und die Massen auseinander trieb.
So ging nun auch unsere letzte Nacht hier in Austin zu Ende. Grad schad!
Auf dem Weg zum Auto, wo wir ja nächtigen sollten, hab ich dann noch hautnah einen Auffahrunfall miterlebt, bei dem gleich vier Autos aufeinander krachten. Das zweitvorderste sah am Übelsten zugerichtet aus. Aber da mir die Füße wehtaten und ich nur noch ab ins Auto zum Pennen wollte, hab ich ganz vergessen noch anständige Bilder zu machen.
Oh mein Gott…
Im Auto pennen ging mal gar nicht. Mit Sonnenaufgang und dem Vogelgezwitscher, waren auch Viktor und ich wieder auf den Beinen, um uns auch zugleich auf den Heimweg zu machen. Ich wär glaub noch nicht im Stande gewesen zu fahren, hatte ich immerhin mal wieder für vier gesoffen. Aber grad sche wars…
Trotz Zwischenstopp an einer Tanke, wo ich mir ne Zuckerkur verabreichte und eine rauchte, hat Viktor die Rückfahrt in knapp drei Stunden gemeistert. Hut ab!

So waren wir also um kurz nach 11 Uhr morgens wieder im gepflegten Plano, wo ich den Tag im Germany-Style auf der Couch ausklingen lies und von Austin träumte...
Fazit: 3 Schachteln Kippen geraucht, Unmengen an Alkohol vernichtet, getanzt bis zum Muskelkater, Party bis zum Abwinken, Live-Musik ohne Ende, ...
Einfach grandios!
PS: Der Trick mit den Kippen hat natürlich geklappt und so bin ich auch hier immer wieder mit Leuten zumindest kurz ins Gespräch gekommen, die ein Feuerzeug von mir wollten. Hat sich also gelohnt, wieder kurzzeitig mit dem Rauchen anzufangen. Die restlichen Kippen hab ich sonntags noch weggeraucht, womit ich seit genau einer Woche wieder abstinent lebe :o)














































