Sonntag, 18. Januar 2009

Hit the road Jack!



Die spinnen die Amis!
Wofür brauch man solch breite Straßen und so viele Fahrspuren?
Ganz Texas ist eine einzige Einbahnstraße. Da kann man nicht mal kurz so einfach wenden. Dort heißt es, bis zur nächsten Kreuzung fahren und nen U-Turn (Ju-Törn) machen. Und der Clou am ganzen ist, die Ampeln stehen auf der anderen Seite der Kreuzung. Ich kann jeden Deutschen nur ausdrücklich davor warnen, direkt vor der Ampel zu halten - könnte sich nämlich suboptimal auf die Karosserie des Fortbewegungsmittels auswirken.

Um kurz nach 11 pm – nicht wundern, die können hier nicht bis 24 zählen, weswegen sie nach 12 die Buchstaben von am zu pm und umgekehrt wechseln – kamen wir dann endlich in unserer vorübergehenden Behausung an. Dem Comfort Inn Hotel.
Lasst Euch vom Namen aber nicht trügen. Dort stellte sich uns gleich das nächste Hindernis in den Weg. Just auf dem Parkplatz auf dem ich parken wollte, hatte sich ein kleiner elternloser Karton verirrt. Leider vergas ich, ein Foto unseres jungen Freundes zu machen, weswegen ich ein Phantombild von ihm angefertigt habe. Wenn Du dies liest: BITTE MELDE DICH!


Mit ein paar Impressionen unserer vorübergehenden Behausung möchte ich den ziemlich lang geratenen ersten Tag abschließen.




Dallas, Fort Worth

Der Weiterflug nach Dallas erwies sich als relativ ereignislos, dafür war es nach der Ankunft umso ereignisreicher. Wie abgemacht, traf ich meinen Mitstreiter Viktor am Alamo-Autovermietungsstand. Dort erwartete uns gleich eine dicke Überraschung.
Aus unerfindlichen Gründen wurde unser Mietvertrag gecancelt.
Ja wie, 1330 Euro für’n Arsch, oder was?

Aber die Servicemitarbeiter bei Alamo haben sich sehr kooperativ gezeigt. Eine Dame hat sogar deutsch gesprochen. So muss das sein. Die Amis wissen eben, wie man Kunden behandelt. Servicewüste? Nicht hier!
Haben uns erst mal einen Mietvertrag für einen Tag ausgestellt und gemeint, wir sollten das mit unserer deutschen Autovermietung ausmachen und am nächsten Tag den lokalen Manager anrufen.

Es war also endlich geschafft – wir hatten ein Auto. Oder doch noch nicht?
Nein, wir durften uns natürlich eines aussuchen. Und wie heißt es so schön:
„Wer die Wahl hat, hat die Qual!“
Tja, wir haben uns schlussendlich für dieses Prachtstück entschieden.



Isser nicht putzig? Ein Chevy Cobalt. Unser ganzer Stolz. Muss er auch sein, haben wir doch die schlechteste Wahl von allen getroffen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man bei einer Wahl aus fünf Autos, dasjenige zieht, das weder elektrische Fensterheber, noch Zentralverriegelung, geschweige denn Klimaanlage besitzt? Alle anderen hatten zumindest eines davon…

Nunja…aber Hauptsache wir hatten ein Auto. Ich war mittlerweile seit 26h auf den Beinen und wollte nur noch ins Bett. Aber zuvor stand ja noch die Fahrt zum Hotel an. Und hier sollte mich der nächste Kulturschock ereilen...

Gate 33B


Nach diesem Schock machte ich mich zugleich auf zu meinem Abflug-Gate.
Dort saß ich also und sollte zugleich meine erste Erfahrung mit der hiesigen Nahrung und der Bevölkerung machen. Gegenüber des Gates stand doch tatsächlich ein Imbiss, wo es lecker Sandwiches gab. Denk ich mir, haste lange nix gegessen, kaufst dir da drüben was, kannste auch gleich deine Kreditkarte ausprobieren. Aber so ganz unvorbereitet wollt ich da natürlich nicht hin. Also hab ich erst mal mein Buch rausgekramt und so getan als würde ich lesen, während ich den Stand und die dort verkehrende Kundschaft beobachtet habe.
Notiz an mich: „Sollte mich vielleicht beim Secret Service bewerben. Erfahrungen als Nachwuchsagent habe ich ja schon.“
Nun gut, wie ich also dort sitze, hab ich mir schon im Kopf die Sätze zurechtgelegt und mich auf alle Eventualitäten vorbereitet. „Sag ihr, dass du dich nur umschauen willst, wenn sie dich fragt, ob sie dir helfen könne“ – „Verdammt, wie sage ich das überhaupt auf Englisch?“
Okay…vorbereitet wie ich war (niiiiiiicht!!!), schlenderte ich also ganz locker lässig dort rüber und flüsterte schon mal mögliche Antworten auf etwaige Fragen in meinem zukünftigen texanischen Akzent, der mich nicht von der dort lebenden Bevölkerung unterscheiden sollte.
Und dann kam es…überaschte mich die vollschlanke afroamerikanische Bedienstete doch glatt mit etwas, auf das ich überhaupt nicht vorbereitet war…Sie sprach Amerikanisch!!!!! *eek*
Ich: „Äh…wott?“ (Notiz an mich: „Benutze in Zukunft keine Umlaute beim Sprechen!“)
Naja…ich wurschtelte mich dann so durch und hab sogar ein Sandwich erstanden. Wie ein deutscher Touri halt. Hab ganze 8$ für ein Sandwich bezahlt, das zu klein war, um zu schmecken. Bin natürlich nicht auf die Idee gekommen, nach dem Preis zu fragen, weil mir alle Welt erzählt hat, dass Fastfood in den USA soooo billig sei.
IHR SCHWEINE!!!
Zum Schluss hat dann die nette Fette noch was zu mir gesagt, das entweder ne Verabschiedung, ne Beleidigung oder beides war. Nonchalant wie ich bin, habe ich ihr souverän die passende Antwort darauf geliefert: „Ju tu!“
To be continued...

Atlanta, Georgia

Einreiseschalter: viele, viel zu viele…
Wer mich kennt, weiß, was ich als erstes getan habe, als wir in Atlanta gelandet sind.

Rischtich…ich hab die Toilette aufgesucht! Ich hatte nen vierstündigen Aufenthalt, da musst ich ja nicht hudeln. Sitzpinkler wie ich bin, hatte ich auf dem Klo dann meinen ersten Kulturschock: Was war das denn?



Die Klotüren hängen gefühlte 2 Meter über dem Boden, dafür fehlt wenigstens oben soviel, dass sich ein Liliputaner genötigt sieht zu überlegen, ob er nun unten drunter oder oben drüber reinguggt. Naja, wir ham ja nix zu verbergen.
Geschäft erledigt (nein, davon gibt’s kein Foto) und wieder raus, wo ich den anderen bis zur Warteschlange für die Einreise hinterherdackelte.
Diese eine Schlange spaltete sich dann sehr schnell in etwa zehn kleinere auf und ich hatte die Wahl an welche davon ich mich anstelle. Gut, dass wir nächstes Semester Operations Research haben, denn ich hab sooft die Warteschlange gewechselt, weil diese vermeintlich kürzer war, bis ich am Schluss auch wirklich als letzter drankam.

Nungut…da steh ich also am Schalter, zeig artig meinen Reisepass her, drück meine Finger auf die Sensoren und lass ein Bildchen von mir machen. Dann fragt mich der nette Herr, was ich denn so in USA mache und wie lange ich denn vorhätte zu bleiben. Ehrlich wie ich bin, erklär ich ihm, dass dies ein Businesstrip gepaart mit Urlaub und Familienbesuch werden soll.
UND dass ich vorhabe, 89 Tage zu bleiben…
Zur Erinnerung: Ohne Visum darf man höchstens 90 Tage in den Vereinigten Staaten verweilen…

Okay, ab diesem Moment war das zuvor freundliche Gesicht verschwunden.
„Oh man, why have you told me this?“, sagte er nur. Ohoh!
(Notiz an mich: Niemals mehr ehrlich sein, wenn es darum geht, an der Grenze der erlaubten visumfreien Zeit zu kratzen!)

Ihr kennt Guantanamo Bay? Ja genau, da wo die bösen Terroristen sitzen und mit üblen CIA-Methoden zum Sprechen gebracht werden.
Vergesst Guantanamo Bay! Der vormals liebe Officer hat mich derart auseinander genommen, dass ich am Schluss selbst nicht mehr wusste, was ich überhaupt in USA wollte. Als ich also schon drauf und dran war, meine Habseligkeiten einzusammeln und nach Hause zu gehen, drückt er mir meinen Reisepass in die Hand und meint: „Don’t do that ever again!“
Ja wie, bin ich schon drin? Juhuuu, das war ja einfach!
To be continued…

Check-In Stuttgart

Mein Pass funktionierte natürlich. So ein RFID-Chip ist halt unverwüstlich. Und Frauen an Schaltern von Bürgerbüros haben davon natürlich schon mal gar keine Ahnung.
Der Check-In verlief verhältnismäßig unspektakulär. Gepäck aufgegeben und der netten Dame schöne Augen gemacht und schon hat ich nen Sitz am Fenster und nen freien Platz neben mir. Charmeur alter Schule halt…Naja, die Maschine war auch nur halb voll. Na denn, guten Flug...



Und da sitz ich also im Flieger und höre stundenlang den gleichen Musikkanal, auf dem seltsamerweise alle halbe Stunde die Lieder wiederholt werden. Aber coole Musik wars. Ich sag nur: „I kissed a girl – I liked it!“ und Jimmy Eat World hab ich bis dahin auch schon lange nicht mehr gehört gehabt…
Tja..und dann wurden noch fabelhafte Filme gezeigt auf dem Flug.
Wie zum Beispiel The Dutchess mit Keira Knightley…
Dacht ich mir: „Ey, guggste auf Englisch an. Kannste ja gleich üben für die Staaten.“ Gaaaanz dumme Idee…

Verstanden: 0%
Panikfaktor: 100%


Aber da der Film Schrott war, muss es daran gelegen haben, dass ich nix verstanden hab.
Nach ca. 11h Flugzeit dann der erste Zwischenstopp in Atlanta, Georgia.

Nun war es also so weit. Die Stunde der Wahrheit. Würden mich die amerikanischen Beamten ohne Visum in die USA einreisen lassen, oder mich postwendend nach Deutschland zurück schicken? Würde auch dort mein Pass funktionieren?
To be continued…

Rückblende Nr. 2

Samstag 17. Januar. Max-Kade-Wohnheim. Letzte Vorbereitungen…
Zu Besuch: Katharina Renz.

Wie ich mein Zimmer so ausmiste und meinen Koffer packe, fällt der Kathi mein Reisepass in die Hand. Und was sieht sie darauf: Kaffeeflecken.
„Dein Pass schaut ja auch schon aus wie Sau! Was ist denn damit passiert.“

Um nicht ne weitere Rückblende in der Rückblende zu starten und somit das gesamte Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander zu bringen, hier in aller Kürze:
Den Kaffee hat damals die Kathi aus Versehen über meinen neuen Pass verschüttet. Hab ich ihr bis dahin nicht gesagt gehabt, weil ich es auch erst am nächsten Tag entdeckt habe. Aber das is ne andere Geschichte…
Aber egal. An diesem Samstag also, am Tag vor meiner Abreise eröffnet mir nun die Frau Renz mit schlechtem Gewissen, dass das ein Problem werden könnte. Sie hatte ne Woche zuvor nen neuen Pass bekommen und entgeistert feststellen müssen, dass ihre Fingerabdrücke ja gar nicht auf dem Dingens waren. Auf ihre Frage, wo diese denn seien, eröffnete ihr die Schalterdame des Bürgerbüros, dass die Abdrücke auf nem Chip im Deckel des Passes seien.
Und man aufpassen müsse, dass das Ding nicht zu nass wird, weil der Chip sonst nicht mehr ausgelesen werden könne…
Das alles erzählt mir die Kathi also am Tag vor meiner Abreise…noch Fragen, wieso ich kaum geschlafen habe?

PS: An diesem Samstag haben wir übrigens noch Schlag den Raab angeschaut. Ging mir aber zu lange und so weiß ich bis heute nicht, ob der Typ den Raab geschlagen hat…Über Infos wäre ich dankbar ;-)

Morgenstund hat Gold im...ach halt doch die ...

Okay…Sonntag morgen also aufgestanden und erst mal die Bude richtig leer geräumt. Hatte ja nur ne Woche Zeit, um das zu erledigen, da dachte ich mir, wieso nicht alles auf den letzten Drücker erledigen. Ganz schön schlau von mir, was?
Erst später im Flieger ist mir dann aufgefallen, dass ich meinen Vorratsschrank und mein Kühlschrankfach vergessen hab, auszuräumen. Naja, der Ferienmieter wird sich gefreut haben.
Mich hat übrigens meine letzte Kippe auf dem Weg zum Flughafen gefreut….
Am Flughafen Stuttgart angekommen, ging auch erst mal das erste Bangen los. Würde mein Reisepass beim Check-In funktionieren? To be continued…

Rückblende Nr. 1

Freitag, 16.01.2009. Abends. Stuttgart. Max-Kade. Das Wetter ist feucht-kalt, aber die Frisur hält (woran das wohl liegt?)
Es stand natürlich noch ne kleine Abschiedsparty an.
Extra nen Riesentopf aus dem 4. Stock ausgeliehen (danke nochmals an Euch. Hoffe meine Leute haben ihn auch geputzt wieder zurückgebracht?!), um ne Riesenportion Chili zu kochen. Zur Hand ging mir dabei meine ebenso bezaubernde wie charmante Freundin Kathi, die mir überdies den Tipp mit dem Chili gegeben hat.

Den Topf haben wir natürlich brav leer gefuttert, damit wir auch ne anständige Grundlage für das bevorstehende Saufgelage haben sollten. Das Selbige sollte nicht lange auf sich warten lassen, nachdem uns die Anne freundlicherweise ein neues Kartenspiel beigebracht hatte (bei Bedarf, veröffentliche ich gerne die Regeln)…
Bevor wir dann noch Richtung Stadt zogen, um noch anständig weiterzufeiern, hat unser geliebter Hustler noch ne Marktlücke entdeckt: Die Baguette-Gegensprechanlage (Bilder folgen).
Getreu der StudiVZ-Gruppe: „Ich weiß nix mehr….aber war GEIL!“ ging es dann in der Stadt weiter…

Der große Tag...

war gekommen...
Mein erster Flug nach Übersee. Was würde mich in den Ju-Es-of-Ä erwarten?
Äußerlich wie immer cool, doch innerlich schon seltsam aufgewühlt (nicht zuletzt, weil ich kein Visum hatte)
Die Nacht von Samstag auf Sonntag hat mein Körper mal gedacht: "Schlaf ich nicht so viel! Bin ich lieber aufgeregt. Den Schlaf kann ich ja noch im Flieger nachholen"
Ich hätt ihm natürlich gleich sagen können, dass Schlafen in der "Öffentlichkeit" unter 3 Promille schon mal gar nicht geht, aber naja, auf mich hört er ja nicht…Apropos 3 Promille….